Erfahrungsbericht Teil 2 „Aus der Sicht einer Feuerwehrfrau“

Großvater … Vater … Sohn   nööööö  Tochter!

ChristineHallo, ich heiße Christine und bin 19 Jahre alt und seit einem Jahr Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Forstenried. Zur Feuerwehr bin ich über meinen Papa gekommen und der wiederum über seinen, also über meinen Opa. Mich begeisterte die Feuerwehr schon früh. Gespannt lauschte ich den „ALTEN Geschichten“, wenn sich Papa und Opa unterhielten und versuchte geistig folgen und stellte mir alles vor. Keinen „Tag der offenen Tür“ ließen wir aus. Da früher auch mein Bruder für die Feuerwehr schwärmte und nur darauf wartete „alt“ und „groß“ genug für die Jugendfeuerwehr zu sein, war für Beide klar ER wird einmal Feuerwehrmann. Ich hielt meine Interessen geheim, denn dass es auch Feuerwehrfrauen gibt, wusste ich damals noch nicht. Ich dachte immer, dass es nur Männer bei der Feuerwehr gibt. Ich war schon früher immer mit Jungs zusammen und fest davon überzeugt, was die können – kann ich auch. Naja, auf jeden Fall verging die Zeit und jetzt nachdem ich einen Abschluss hatte und mit einem Bein im Berufsleben stehe, war es an der Zeit wieder ein Hobby anzufangen. Lange verfolgte ich schon die Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Forstenried und verfolgte immer wieder die aktuellen Ereignisse. Irgendwann entdeckte ich die Seite auf der die Mannschaft mit Name und Foto aufgelistet war, interessiert schaute ich mir jeden einzelnen an, entdeckte bekannte Gesichter und als Schlüssel für meine Entscheidung zwei Frauen. Es gibt sie also doch! Bis spät in die Nacht informierte ich mich darüber, was es für Vorrausetzungen gibt und entschloss mich dann mit dem Kontaktformular Kontakt aufzunehmen. Kaum ein Tag war vergangen und ich hatte einen Vorstellungstermin. Total entschlossen spazierte ich an diesem Tag zur Feuerwehr und stellte mich als Person vor. Zuerst wurde mir viel über die Feuerwehr und ihre Arbeit erzählt und was ich für einen Ausbildungsweg vor mir habe. Dann wurden mir Fragen gestellt, wie ich auf die Feuerwehr Abteilung FO kam und was ich über die Feuerwehr weiß und warum ich zur Feuerwehr will. Dann durfte ich noch fragen stellen, die mir auf der Zunge brannten, wie z. B. ob es kein Problem ist, dass ich ein Mädchen bin und ob man auch als Brillenträger aufgenommen wird. Ich bekam auf alle meine Fragen eine Antwort, klar wird man auch als Brillenträger aufgenommen und es macht gar nichts aus, dass ich als Mädchen zur Feuerwehr will. Ich konnte gar nicht so schnell schauen, bekam ich meine Ersten Termine. Jetzt ging der Marathon richtig los, als erstes zum Arzt um zu schauen, ob ich für den Feuerwehrdienst geeignet bin. Dienstausweis beantragen, in die Feuerwehrschutzkleidung einkleiden lassen. Zum Schluss noch bei der Bereichsgrundeinweisung ein bisschen Basiswissen lernen, wie zum Beispiel den Inhalt der Fahrzeuge, Dienstgrade sowie Knoten und Stiche. Der Marathon war geschafft. Der Grundstein war geschaffen und ich konnte es einfach nicht mehr erwarten, endlich auch ausrücken zu dürfen. Im Januar war es dann endlich soweit, der Truppmann I stand vor der Tür. In diesem Lehrgang lernt man von Grund auf, was es heißt „Feuerwehrmann“, wie in meinem Fall „Feuerwehrfrau“ zu sein. Angefangen bei Hydranten – und Schlauchkunde bis hin zum Schaumeinsatz. Am 4. März war es endlich geschafft! Ich bestand die Prüfung und bekam meinen Piepser. Ab diesem Zeitpunkt trat ich in den aktiven Dienst ein und durfte endlich mit ausrücken, wenn der Piepser schrillte. Die Ersten paar Tage geschah erstmal nichts. Ich starrte oft und lange auf den Piepser in der Hoffnung er macht einen Ton, damit ich wusste, wie er sich bemerkbar macht, um mich zu einem Einsatz zu rufen. Ich weiß noch ganz genau wann ich meinen Ersten Alarm hatte. Es war an meinem Geburtstag, als sich mein Piepser meldete. Anfangs irritiert schaute ich mich um begriff aber sofort, dass es sich um einen Einsatz handelt. Mein 1. Einsatz. Ich machte mich auf den Weg ins Gerätehaus. Mir ging alles durch den Kopf „bloß nichts vergessen“ Stiefel anziehen, Mantel und Hakengurt an und Helm vom Haken und ab ins Fahrzeug. Fertig angezogen im Fahrzeug sitzend, auf dem Weg zum Einsatzort wurde es auf einmal still um mich herum und in mir. Ich dachte nichts mehr, mein Kopf war wie leer und nur das rauschende Blut war in den Ohren zu hören. Erst als jemand aus der Mannschaft sagte „Blinder Alarm“ drangen wieder die Umgebungsgeräusche zu mir durch. Mit kleiner Verschnaufspause und meinem 1. Einsatz in der Tasche, stürzte ich mich gleich in die nächste Ausbildung, den Truppmann ll. Hier werden die verschiedenen tragbaren Leitern besprochen und aufgebaut, die Drehleiter bestiegen und der richtige Umgang mit der Höhensicherung erläutert.

IMG_3285Einen weiteren wichtigen Teil beider Lehrgänge stellen die Standarteinsätze München dar. Diese Standards sind auf sechs Feuerwehrleute ausgelegt und speziell für München zugeschnitten. Es kann somit sichergestellt werden, dass jeder im Einsatzfall ohne spezielle Anweisungen seine Aufgaben erfüllen kann und weiß, was er zu tun hat, auch ich. Durch die zahlreichen Übungen die wir in der Abteilung haben, lernen wir den richtigen Einsatz und Umgang mit unserem Arbeitswerkzeug, üben und wiederholen Einsatzszenarien vergangener oder zukünftiger Einsätze und werden auf die unterschiedlichsten Ernstfälle vorbereitet. Zum Abschluss des Jahres begann ich im September meinen Atemschutzlehrgang. Beim Atemschutzlehrgang wird neben dem Umgang mit dem Pressluftatmer vor allem die Personensuche im Innenangriff geübt. Bei Heißübungen in der Brandsimulationsanlage lernt man, sich an die Temperatur zu gewöhnen und unter „fast“ echten Bedingungen, bei schlechter Sicht und Umgebungsgeräuschen Feuer zu löschen und Personen zu suchen und zu retten. Dieser 3-monatige Lehrgang ist mit Sicherheit der körperlich anspruchsvollste Lehrgang gewesen, den ich gemacht habe. Für mich gab es eigentlich keinen Punkt an dem ich gesagt habe, ich schaffe es nicht, jetzt gebe ich auf! Ich habe es immer geschafft letzte Reserven zu mobilisieren, habe die Zähne zusammen gebissen und weiter gemacht. Wenn man es geschafft hat ist es einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Die Erfahrungen die ich hier in der Freiwilligen Feuerwehr gemacht habe ist, dass Frauen nicht weniger wert sind, sondern sie werden genauso miteinbezogen, dürfen mitreden und müssen auch das Gleiche leisten, wie die männlichen Kollegen. Am Anfang haben die Kollegen mir noch manchmal schwere Sachen aus der Hand nehmen wollen oder gefragt, ob es beim Tragen geht, ob ich es schaffe, aber nicht um sich als stärker zu beweisen, sondern als Unterstützung und aus Hilfsbereitschaft. Denn man arbeitet im Team, allein kommt man nicht weit. Sie haben jedoch schnell gemerkt, dass ich das auch alleine schaffe. Aber es stimmt schon, dass Frauen und Männer unterschiedlich sind. Man ergänzt und unterstützt sich wie in einer großen Familie, man muss sich nur darauf einlassen.

Feuerwehrfrauen sind leider immer in der Minderheit, das wird sich hoffentlich bald ändern. Feuerwehr ist auch für Frauen ein spannendes, abwechslungsreiches und verantwortungsvolles Hobby.

„Es ist total spannend morgens nicht zu wissen was der nächste Einsatz bringen wird“.

Nun ist ein Jahr vergangen, indem ich so vieles erlebt, gelernt und viele Erfahrungen gesammelt habe. Wenn ich jetzt bei Alarm ins Fahrzeug steige, spür ich „das Adrenalin in den Adern“, bleibe aber ganz ruhig und konzentriert. Es ist unglaublich wie schnell ein Jahr vergehen kann, vor einem Jahr hatte ich noch nicht einmal die Schutzkleidung und jetzt bin ich schon AtemschutzgeräteträgerIN in der Abteilung Forstenried. Die Freiwillige Feuerwehr ist in meinem Leben nicht mehr wegzudenken, sie ist ein Teil von mir geworden, denn ich habe so viele Leute kennen gelernt, die mich in meinem Tun und Handeln unterstützen. Sei es die Mannschaft, die wie eine große Familie nun für mich ist. Und meine Familie selbst, die mich in meiner Entscheidung zu Feuerwehr zu gehen, unterstützt und immer für mich da ist.

Es ist schon harte Arbeit, zu jeder Tages- und Nachtzeit, an jedem Feiertag und am Wochenende kann der Piepser Alarm schlagen. Aber ich bin halt mit Leib und Seele Feuerwehrfrau.

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr, drum geh auch du zur Feuerwehr!“

Ich bin schon dabei wo bleibst du ?

 

Neben „Feuerwehr“ nochwas in der Feuerwehr verwirklichen und erleben, auch das geht:

Gruppe Öffentlichkeitsarbeit

Am 12. April 2013 nahmen wir unsere Arbeit als Gruppe „Öffentlichkeitsarbeit“ auf. Unsere Ziele waren es, die Aussenwirkung der Abteilung Forstenried weiter zu verbessern und einige Projekte, die leider aus zeitlichen Gründen nie fertig gestellt wurden, voranzutreiben. So starteten wir mit einer langen Liste die wir verwirklichen wollten, z. B. ein digitaler Schaukasten, vermehrte Öffentlichkeitsarbeit an Schulen, die geschichtliche Aufarbeitung, die Konzipierung von Infomaterial und auch ein Filmprojekt und noch vieles mehr. Wir planten den „Tag der Offenen Tür“ und  wollten informieren, die Besucher miteinbeziehen und nicht nur mit unseren Fahrzeugen da sein. So planten wir schon lange im voraus die Gestaltung von Rollups, Schautheken, Infowänden und  Aktionen um den Besuchern die Arbeit Freiwillige Feuerwehr näher zu bringen und zu veranschaulichen. Jeder packte mit an, brachte Ideen und Vorschläge mit ein und so gelang es uns, einen „Tag der Offenen Tür“ der Superlative (Interessant, Spannend und Informativ) zu gestalten. Durch regelmäßige monatliche Treffen tauschten wir uns immer über den aktuellen Stand aus, wer an welchem Projekt arbeitet und wie weit fortgeschritten diese bereits sind. Außerdem kamen immer wieder neue Ideen auf die Liste und Andere wiederum werden fertiggestellt und abgehakt, so wie im Mai der digitale Schaukasten am alten Gerätehaus. Dieser soll über aktuelle Ereignisse, Einsätze und Aushänge informieren. Zur Zeit arbeiten wir gerade an zwei weiteren Rollups, eine Seite über die Geschichte der Abteilung und das Filmprojekt wurde in Angriff genommen.

Team Archiv

Wir (Stephan Kutter und Christine Brembeck) sind das Team „Archiv“ und beschäftigen uns mit der geschichtlichen Aufarbeitung der Abteilung. Zwar haben wir beide noch kein Stück Geschichte geschrieben, jedoch finden wir es spannend uns damit zu beschäftigen, wie unsere Abteilung eigentlich entstanden ist. Wie die Feuerwehr früher war und was sich bis heute verändert hat. Ab und zu kommt es vor, dass wir Fotos oder Schriftstücke finden, die wir nicht zuordnen können. Dies ist jedoch kein Problem, denn oftmals können uns Kameraden die schon länger in der Feuerwehr sind helfen, Personen zu identifizieren. Sehr viel Spaß bereitet uns das Lückenfüllen unserer Geschichte, wenn wir wieder ein Puzzelteil finden und es passend zuordnen können. Außerdem wurden wir auch mit alten Speichermedien wie Dias, VHS, Kassetten und Disketten konfrontiert die wir vielleicht noch kannten, als wir klein waren. Bei den Filmrollen wurde es dann schon schwieriger herauszufinden, um was für ein Medium es sich handelt. Aber schnell mal bei den alten Hasen nachgefragt, war das Rätsel gelöst, es handelte sich um „Super 8“- Filme. Wir fragten Eltern und Großeltern, ob sie uns helfen könnten, wie wir nun an die Bilder der Dias kommen und die VHS Kassetten abspielen können. Großzügigerweise bekamen wir einen Diaprojektor ausgeliehen, um zu erfahren was auf den ganzen Dias nun darauf war, die sich bei uns im Archiv stapelten. Im Zeitalter von digitalen Bildern, Mp3 Dateien und Blu-ray ist schon die DVD fast ausgestorben, geschweige denn Dias und VHS Kassetten. Es ist lustig, wenn wir von Zeit zu Zeit Bilder und Zeitungsauschnitte aus früherer Zeit ausgraben und den jeweiligen Leuten heute unter die Nase halten. Wir arbeiten gerade daran die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr, Abteilung Forstenried von der Gründung an bis heute in einem Zeitstrahl darzustellen, um auch alle anderen Interessierten an unserer Entwicklung von 1872 an teilhaben zu lassen.